Fiat Ducato Felgen restaurieren
Stück für Stück geht es mit der Restaurierung voran
Nach den ernüchternden Erkenntnissen des März war eines klar: Die Zeit der Bestandsaufnahme war vorbei. Ich hätte mich noch wochenlang über verpfuschte Reparaturen, verschlissene Technik und fragwürdige Entscheidungen des Vorbesitzers ärgern können. Das hätte den Ducato allerdings keinen Meter weitergebracht. Also fiel eine bewusste Entscheidung. Ab jetzt wird nicht mehr nur untersucht. Ab jetzt wird restauriert.

Die erste Felge
Den Anfang machten die Räder. Die alten Stahlfelgen hatten über die Jahre deutliche Rostspuren angesetzt. Neue Felgen zu kaufen wäre der einfachere Weg gewesen, doch ich wollte das Original erhalten. Also fuhr ich zunächst in eine Werkstatt und ließ den alten Reifen von der ersten Felge abziehen. Mit der nackten Felge ging es zurück auf meinen Parkplatz, der sich inzwischen langsam in eine kleine Freiluftwerkstatt verwandelte.
Dort begann die eigentliche Arbeit. Mit Akkuschrauber und Runddrahtbürste entfernte ich Schicht für Schicht den Rost. Anschließend behandelte ich die Oberfläche sorgfältig mit Rostumwandler und lackierte die Felge in einem silbergrauen Felgenlack. Erst danach ging es wieder zurück in die Werkstatt, wo der neue Reifen montiert wurde. Als ich die fertige Felge in den Händen hielt, war ich überzeugt, den schwierigsten Teil geschafft zu haben. Ich sollte mich irren.
Improvisation gehört dazu
Der Ducato lehrte mich früh, dass auf einem Parkplatz nicht immer das passende Werkzeug entscheidet, sondern die Bereitschaft, neue Wege zu finden. Aus jedem Hindernis wurde eine Erfahrung für die nächste Baustelle.
Der Wagenheber, der keiner war
Der Plan war einfach. Rad abschrauben, neue Felge montieren und weiterarbeiten. Also suchte ich den originalen Wagenheber im Ducato und fand ihn schließlich auch. Doch schon beim ersten Versuch wurde klar, dass er das Wohnmobil gar nicht hoch genug anheben konnte, um das Rad überhaupt wechseln zu können. Also besorgte ich mir stabile Holzbohlen, um den Wagenheber entsprechend zu unterbauen. Erst dadurch erreichte ich die notwendige Höhe.
Doch selbst damit war das Problem noch nicht gelöst. Die Räder eines Wohnmobils sind deutlich schwerer, als man zunächst vermutet. Besonders an der Hinterachse, unter dem Bürstner-Aufbau, wird der Radwechsel alleine schnell zu einer körperlich anstrengenden Angelegenheit. Das Herausnehmen und spätere Einsetzen der Räder erwies sich als wesentlich schwieriger, als ich erwartet hatte. Spätestens an diesem Punkt musste ich mir eingestehen, dass sich nicht jede Arbeit alleine auf einem Parkplatz erledigen lässt.
Fünfmal derselbe Weg
Am Ende blieb mir nichts anderes übrig, als den gesamten Ablauf immer wieder zu wiederholen. Ich fuhr mit dem Wohnmobil in die Werkstatt, ließ dort den alten Reifen demontieren, restaurierte anschließend die Felge auf meinem Parkplatz und brachte sie danach erneut in die Werkstatt, damit der neue Reifen montiert werden konnte. Erst danach konnte das nächste Rad an die Reihe kommen.
Diesen Ablauf wiederholte ich insgesamt fünfmal – für alle vier Räder und das Ersatzrad. Natürlich hätte ich mir vieles einfacher vorgestellt. Rückblickend war genau diese Erfahrung jedoch wichtig. Sie zeigte mir sehr früh, dass dieses Restaurierungsprojekt weniger von spektakulären Erfolgen lebt als von Geduld, Ausdauer und der Bereitschaft, immer wieder neue Lösungen zu finden.

Geduld schlägt Perfektion
Nicht jede Reparatur endet am selben Tag. Manchmal besteht Fortschritt einfach darin, eine Lösung zu finden und am nächsten Morgen weiterzumachen.
Mehr als nur ein Radwechsel – Mit jeder restaurierten Felge wuchs nicht nur die Zuversicht, sondern auch mein Verständnis für dieses alte Wohnmobil. Viele Arbeiten wirkten auf den ersten Blick einfach.
Doch kaum glaubte ich, eine Aufgabe abgeschlossen zu haben, tauchte bereits die nächste Herausforderung auf. Genau das macht die Restaurierung eines über 35 Jahre alten Fahrzeugs aus. Man repariert selten nur ein einzelnes Bauteil. Fast immer hängt alles mit etwas anderem zusammen.
Die fünf Fahrten zur Werkstatt kosteten Zeit, Kraft und Geduld. Trotzdem würde ich heute keinen einzigen dieser Schritte auslassen. Jeder davon brachte neue Erfahrungen und machte mich mit dem Ducato ein Stück vertrauter. Aus einem fremden Fahrzeug wurde langsam wieder das Wohnmobil meines Vaters. Und genau dieses Gefühl ließ mich auch an den Tagen weitermachen, an denen eigentlich nichts so funktionierte, wie ich es geplant hatte.
Jeder Fortschritt zählt
Mit jeder fertig restaurierten Felge veränderte sich das Erscheinungsbild des Ducato ein wenig. Es waren keine großen Sensationen, aber genau diese kleinen Fortschritte machten Mut. Nach den vielen negativen Überraschungen im März war es das erste Mal, dass ich nicht nur neue Mängel entdeckte, sondern tatsächlich sichtbare Verbesserungen schaffen konnte.
Der April markierte damit einen Wendepunkt. Aus einer langen Liste von Problemen wurde langsam wieder ein echtes Restaurierungsprojekt. Noch lagen unzählige Arbeitsstunden vor mir. Doch zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass sich der Ducato Schritt für Schritt wieder auf den Weg zurück auf die Straße machte.
